There is enough for everyone!

Vielleicht erinnert ihr euch noch an die stundenlange Live-Übertragung der Loveparade. Damals, Anfang 2000 im Fernsehen. Und an das Gänsehautgefühl dabei. Und an den Wunsch, irgendwann selber einmal ausgelassen auf einem solchen Wagen die Hände gen Himmel zu strecken und „One world, one future“ zu grölen. Das Motto damals war eher unpolitisch als „Friede, Freude, Eierkuchen“ deklariert.
Ganz so einfach hat es sich ein loses Bündnis Dresdner Kulturschaffender mit der Tolerade nicht gemacht. Sie riefen aufgrund des wieder erstarkenden Fremdenhasses einen kleinen Tochterumzug der Loveparade mit einer großen Botschaft ins Leben: „There is enough for everyone!“

 

Wir als Lotenheim unterstützen von ganzem Herzen eine bewusste Mischung von politischen Werten, Party und Straßenumzug. Fröhlich und tanzend durch die Stadt ziehen und dabei ein Zeichen gegen Fremdenhass und Intoleranz setzen – was gibt es schöneres an einem Samstagmorgen Mitte Mai?
Endlich. Endlich positioniert sich die Dresdner Szene gemeinsam und demonstriert damit auch nach außen hin die Offenheit der elektronischen Subkultur und dass Dresden mehr zu bieten hat als Pegida.
Das ist der Grundgedanke, mit dem sich viele Dresdner Crews im letzen Jahr zusammenschlossen und inzwischen zum Verein Tolerave e.V. gewachsen sind.

 

Aber zurück in die Gegenwart:
Die diesjährige Tolerade startete am Alexander-Puschkin-Platz mit starken und richtigen Worten und bewegte sich mit ihren insgesamt 18 liebevoll dekorierten LKWs und jeder Menge Bass, tänzelnd Richtung Innenstadt.
Auch wir als Lotenheim haben uns mit Wagen und Redebeitrag beteiligt und im Vorfeld ein wenig an der Planung mitgewirkt.
Auf unserem Gefährt waren Künstler wie Vruno, Ried Low, Max Beta und Leise vertreten (und auch den  Redebeitrag werden wir sicher noch online stellen).
Auf der Parade selber fiel es bei so viel Auswahl an guter Beschallung extrem schwer, nur einem Wagen hinterherzustampfen. Laufend tanzen ist wohlgemerkt etwas, was viel Übung bedarf. Zum Glück sind wir feiererprobt, daher erreichten wir den Ort der Zwischenkundgebung recht souverän und schlängelten uns nach weiteren Redebeiträgen weiter.
Vorbei am Theaterplatz, jenem Ort, welcher allmontäglich für pegidistische Spaziergänge und Hassreden missbraucht wird.
Zurück auf der Neustädter Elbseite wurden wir lauschbedingt nochmal kurz still bevor wir dann mit einer noch gewachsenen Dynamik und Tanzfreude den Endspurt durchs Dresdner Szeneviertel Neustadt hinlegten und im Industrieglände, wo die Demonstration aufgelöst wurde, glücklich ins Gras fielen.
Mit drei Solipartys verabschiedete sich die Tolerade von dort aus in die Nacht.

 

Egal wie die Qual der Wahl an diesem Abend ausfiel – alle Partys leisteten einen Beitrag dazu, Migranten das Gefühl zu geben, willkommen zu sein und Möglichkeiten zu schaffen, einander kennenzulernen. Die Eintrittsgelder wurden wie nach jeder Tolerave-Veranstaltung an Flüchtlingsinitiativen gespendet. Das Ziel, sich unabhängig von seiner Hautfarbe, geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung, religiöser Überzeugung, seinem Geldbeutel oder Lebenskonzept ausleben zu können, haben die meisten Tanzenden zumindest während des Demonstrationszuges erreicht.
Es bleibt zu wünschen, dass diese Werte auch außerhalb von Partykontext und Straßenparaden gelebt werden. Und auch wenn die Teilnehmerzahlen (hoffentlich nur wetterbedingt) noch Platz nach oben haben – bei so viel guter Laune, Peacefullness aber auch Ernsthaftigkeit konnte man auf der Tolerade den Spirit der größten Technoparade durchaus ein kleines bisschen nachempfinden. Inklusive Gänsehaut!
Es tut immer wieder gut zu sehen, wie viele Menschen ähnlich denken und humanistische Werte teilen. Wir würden das gern viel öfter sehen und noch viel mehr schaurigschöne Gänsehaut-Momente erleben. Wir danken von ganzem Herzen der Orga-Crew, den Musizierenden, allen Supportern und Tanzenden. Ihr macht Dresden bunt!

 

 

Text: frln. Martini & Hazlehoff
Fotos: Moritz Schlieb

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